In der Ausstellung ging es um Verbundenheit – um die Verbundenheit des Menschen zu seinem Umfeld, aber auch um die gegenseitige Abhängigkeit der Dinge im Allgemeinen. Einer der Anstöße zu dieser Ausstellung war ein Gedanke des griechischen Philosophen Platon: In einer seiner Schriften vergleicht er den Menschen mit einer umgekehrten Pflanze und sagt, der Mensch wurzele nicht in die Erde, sondern in den Himmel. Diese Überlegung, der Mensch wurzele kraft seiner Gedanken, seiner Erinnerungen und seiner Emotionen in der Welt, haben wir in der Ausstellung genutzt. VERWURZELT UND VERZWEIGT hat fünf künstlerische Positionen im jeweils eigenen Raum präsentiert. Diese Räume waren nicht voneinander getrennt, sondern mit Öffnungen verbunden, sodass auch da dieser Moment der Verbundenheit und des Miteinanders oder des Miteinander-Sprechens entstehen konnte.
„Der Mensch wurzelt kraft seiner Gedanken, seiner Erinnerungen und seiner Emotionen in der Welt.“Olesja Nein | Kuratorin der Ausstellung
Olesja Nein ist Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst und seit 2013 in der Draiflessen Collection als Kuratorin tätig.
Zu dieser Ausstellung haben wir ein üppiges Rahmenprogramm entwickelt: Workshops, Exkursionen, Vorträge, die alle durchweg gut besucht waren. Mein persönliches Highlight war die Collagen-Werkstatt mit Simone Scharbert, in der wir mit den Teilnehmer*innen aus Wörtern und Bildmotiven Collagen gestaltet haben. Ich durfte einige Führungen in der Ausstellung machen, in denen unsere Gäste immer wieder die Rückmeldung gegeben haben, dass sie das Thema sehr anspricht und die gezeigten künstlerischen Positionen in ihnen etwas wecken. Wenn man das beim Publikum mit einer Ausstellung erreicht, dann hat man gute Arbeit geleistet, ist diese ein Erfolg.
The Missing Link Das Thema der Verbundenheit spiegelt sich in unserem Jahresmotto. Ein Zitat der US-amerikanischen Wissenschaftlerin Donna Haraway, das wir sehr prominent an die Wand angebracht hatten, lautet: „Niemand lebt überall; jeder lebt irgendwo. Nichts ist mit allem verbunden; alles ist mit etwas verbunden“. Dieser Satz war auch für das Konzept der Ausstellung ausschlaggebend: die künstlerischen Positionen so auszuwählen, dass man schaut, was und wie genau es miteinander verbunden ist, und nicht einfach abstrakt sagen, die Dinge sind allgemein miteinander verbunden.
Das ausstellungsbegleitende, reich bebilderte Buch beleuchtet sechs künstlerische Positionen des 21. Jahrhunderts, die auf unterschiedliche Weise Fragen nach Zugehörigkeit, Vernetzung und der Verflechtung von Mensch und Welt sowie der Dinge im Allgemeinen verhandeln.